Werktherapie

Die Werktherapie hat ihre Wurzeln in den Anfängen des Kinderdorfes, als es noch einen Ausbildungsbetrieb für Handweberei gab. Nachdem dieser geschlossen wurde, sollte die harmonisierende und heilsame Wirkung des Webens für die Kinder und Jugendlichen erhalten bleiben und die Webstube blieb zunächst als Freizeitangebot offen. Da die aufgenommenen Kinder mit immer stärkeren psychischen Belastungen ins Kinderdorf kamen, zeigte sich zunehmend, wie stabilisierend und entwicklungsfördernd die praktizierten Methoden sind. So wurde das Angebot schließlich dem Therapiebereich angegliedert und wird heute auf der Grundlage der anthroposophischen Kunsttherapie als ein nachweislich wirksames nonverbales Therapieverfahren angeboten.
 
Dementsprechend arbeitet die Werktherapie mit textilen Werkverfahren wie Weben, Knüpfen, Flechten, Sticken, Filzen und anderen Methoden. Die angewandten handwerklich-künstlerischen Techniken sind in ihren Prinzipien einem ganzheitlichen Erleben zugänglich und entwickeln und stärken grundlegende Persönlichkeitskräfte. Über die Auseinandersetzung mit den Materialien wird generell ein Halt, Sicherheit und Selbstvertrauen vermittelnder Realitätsbezug geschaffen. Zudem haben die einzelnen Verfahren alle eine spezifische Wirkung, die gezielt auf die individuellen Notwendigkeiten der einzelnen Kinder hin eingesetzt werden.
 
Wie auch bei anderen nonverbalen Therapieverfahren wird zudem die Tatsache genutzt, dass der Mensch in allen seinen Handlungen stets seinen eigenen Stärken und Schwächen begegnet. Im Tun können dementsprechend in kindgemäßer Weise die Ressourcen gestärkt und die Probleme aktualisiert werden, und es kann an der motivationalen Klärung und Problembewältigung gearbeitet werden. Auf diese Weise schafft die Werktherapie mit ihren Mitteln eine Ebene für das Kind, um unter der Begleitung des Therapeuten allmählich einen Zugang zu seinem inneren Geschehen zu bekommen. Es kann sich im gestaltenden Handeln damit auseinandersetzen, kann Konflikte unmittelbar bearbeiten und im Idealfall lösen oder mindern. Das Kind wird  unterstützt, sich selbst mit seinen individuellen Lebensthemen und Verhaltensmustern kennenzulernen. Es wird ermutigt Impulse zur Veränderung zu entwickeln und positive Bewältigungsstrategien für bestehende Schwierigkeiten zu finden.