Pädagogischer Themenabend mit Haim Omer

Am 19. November 2016 war Haim Omer, Professor für Klinische Psychologie an der Universität Tel Aviv, im Milchwerk Radolfzell zu Gast. Rund 200 Zuhörer haben an diesem Abend viel darüber erfahren, wie sie ihren Kindern ein guter Anker sein können.

Im Vordergrund steht dabei, dass Erziehung heute nichts mehr mit Distanz und Macht zu tun haben sollte, sondern vielmehr mit Präsenz und Stärke. Anhand zahlreicher Beispiele aus seiner langjährigen Praxis zeigte Omer auf, dass es in der Erziehung nicht darum geht, die Kinder zu "besiegen", sondern zu "beharren". Anstatt direkt in der Konfliktsituation Konsequenzen anzudrohen, sollten Eltern besser abwarten, bis sich die Situation beruhigt hat. Das vermeidet eine zusätzliche Eskalation und bietet beiden Seiten die Möglichkeit, nachzudenken.

Vor allem im Umgang mit Jugendlichen empfiehlt Haim Omer sein Konzept der "Wachsamen Sorge", in dem es darum geht, den "Finger am Puls" zu halten, ohne ständig zu kontrollieren. Eltern sollten demnach in drei Stufen dieser wachsamen Sorge "pendeln": Solange nichts Ungewöhnliches im Leben des Kindes vorfällt, ist eine "offene Aufmerksamkeit" ausreichend. Wenn die Eltern aber Warnsignale wahrnehmen, ist eine "fokussierte Aufmerksamkeit" nötig. Das heißt, die Eltern fragen in Bezug auf den problematischen Bereich gezielt nach. Sollte sich zeigen, dass die Sorge tatsächlich berechtigt ist, werden die Eltern "einseitige Schutzmaßnahmen" ergreifen, um das Kind zu schützen. Hat sich die Situation wieder normalisiert, kehren die Eltern wieder zur "offenen Aufmerksamkeit" zurück.

Im Laufe des Vortrages betonte Omer außerdem, wie wichtig es ist, dass sich Eltern Unterstützung in der Familie, im Freundeskreis, in der Schule oder im Kindergarten holen. Das verteilt nicht nur die Last der Verantwortung auf breitere Schultern, sondern zeigt dem Kind auch, dass "seine Welt eins ist". Alle ziehen an einem Strang und nehmen ihre Pflicht als Mutter, Vater, Oma, Onkel, Lehrerin oder Erzieherin ernst.