"Kinder fördern - aber wie?" Pädagogischer Themenabend mit Gabriele Pohl am 15. Oktober 2019

Frühförderung ist in aller Munde. Aber was heißt Frühförderung eigentlich? Was soll gefördert werden? Wenn wir den ganzen Menschen im Blick haben, als physisches, seelisches und geistiges Wesen, das sich selbst entwickeln will und sich anderseits in eine Menschengemeinschaft hinein stellen soll, kann eine Förderung der kognitiven Fähigkeiten wie lesen, schreiben und rechnen nicht ausreichen. Was braucht das Kind also an Fertigkeiten und Fähigkeiten? Wie erlangt es diese und was ist dabei die Aufgabe des Erwachsenen?

Diesen und anderen Fragen ist Diplompsychologin und Psychotherapeutin Gabriele Pohl beim Pädagogischen Fachvortrag am 15. Oktober nachgegangen. "Haben Sie den Mut, ihre Kinder eigene Erfahrungen machen zu lassen", war ihr Plädoyer an die Eltern. In ihrer Praxis erlebe sie viel zu oft, dass Kinder emotional und motorisch nicht altersgemäß entwickelt seien. In der heutigen Zeit fehle es häufig an ausreichend Raum für freies Spiel. Anstatt den Nachmittag mit Kursen zu belegen, sollten die Eltern darauf achten, dass genügend Zeit zum Spielen bleibt - am besten in der freien Natur. Denn nur so können Kinder die Basiskompetenzen für das spätere Leben lernen. Eine gesunde körperliche Entwicklung sei für die Grundlage für das kognitive Lernen. Leider sei es heute keine Seltenheit mehr, dass Vorschulkinder nicht auf einem Bein hüpfen oder rückwärts laufen können. Auch soziale Fertigkeiten lassen sich laut Pohl am besten im Spiel mit anderen Kindern erlernen: Empathie zeigen, Konflikte austragen, Frustrationen überwinden.

Im zweiten Teil des Abends hatten die Besucher die Möglichkeit, ihre Fragen an die Referentin zu richten: Dabei ging es beispielsweise darum, wie denn freies Spiel bei der Menge an Hausaufgaben zu ermöglichen sei. Und was denn nun der bessere Weg sei: erst Hausaufgaben und dann spielen oder umgekehrt. Dies sei ein wahres Dilemma, auf das sie keine Antwort hätte. Schon bei ihren Kindern habe sie den Sinn der oftmals wenig motivierenden Hausaufgaben hinterfragt. Im Hausaufgabenheft ihrer Tochter stand daher auch öfters zu lesen: "Hausaufgaben konnten nicht gemacht werden, sie musste spielen."