Pädagogischer Themenabend mit Allan Guggenbühl

"Pubertät echt ätzend! Gelassen durch die schwierigen Jahre - eine Überlebenshilfe"

Am 24. Oktober 2017 lud das Pestalozzi Kinderdorf in Kooperation mit der Tegginer Schule Radolfzell und dem Verlagshaus Südkurier wieder zum pädagogischen Themenabend ins Milchwerk Radolfzell. In diesem Jahr konnten wir den erfahrenen Kinder- und Jugendpsychotherapeut Allan Guggenbühl gewinnen.

Die Pubertät kann eine schwierige Zeit sein: Türen knallen, die Musik wird aufgedreht und plötzlich verstehen sich Eltern und Kinder nicht mehr. Guggenbühl machte mit seinem Vortrag den Eltern Mut: Viele Verhaltensweisen und "Probleme", die es vorher nicht gab, seien ganz normal und sogar wichtig für die gesunde Entwicklung der Jugendlichen. Anhand vieler praktischer Beispiele aus seiner langjährigen Erfahrung zeigte er den rund 200 Zuhörern auf, dass es auch die Jugendlichen in der heutigen Zeit nicht einfach haben. Beispielsweise mit den ewig jungen Erwachsenen, von denen sie sich nur schwer abgrenzen können. Dabei sei doch gerade der Prozess des "Nicht-Verstanden-Werdens" so wichtig auf dem Weg ins Erwachsenenleben. Aber auch unsere auf Sicherheit und Planbarkeit ausgerichtete Gesellschaft sieht Guggenbühl als schwierig an. Dazu kämen lange Ausbildungszeiten und die Tatsache, dass wir Jugendlichen heutzutage erst spät echte Verantwortung übertragen.

Im zweiten Teil des Abends diskutierte Stephan Freißmann, Leiter der Südkurier Lokalredaktion Stockach, mit Allan Guggenbühl viele Fragen aus dem Publikum: "Wie gehe ich damit um, wenn mein Kind jegliche Beteiligung am Unterricht verweigert?", "Ist es besorgniserregend, wenn sich mein Kind total zurückzieht?", "Wie gehe ich mit aggressivem Verhalten um?" - um nur drei Themenbereiche zu nennen. Die Antworten Guggenbühls zielten meist auf mehr Gelassenheit ab, so sei es beispielsweise durchaus zuzulassen, wenn der Jugendliche in der Schule eine "Tauchphase" einlege. Meist würden sie nach zwei bis drei Wochen von alleine wieder am Unterricht teilnehmen. Beim Thema "Aggression" hat er seine sehr klare Haltung: Hier gelte es, deutliche Grenzen zu setzen - zur Not, müsse der Jugendliche auch für eine bestimmte Zeit ausqaurtiert werden.