toutlemORKESTRA

„Ich möchte, dass Ihr einfach zuhört“. Komponist Sascha Henkel stellt eine Sanduhr in die Mitte des Personenkreises aus acht jugendlichen im Gymnastiksaal des Pestalozzi Kinder- und Jugenddorfs Wahlwies auf. Die jungen Leute haben sich an diesem Herbstabend zusammengefunden um Gemeinsam im toutlemORKESTRA zu musizieren.

Irritiert schaut Walid in die Runde, der junge Afghane ist seit elf Monaten in der Obhut des Kinderdorfs und wohnt in einer nahgelegenen Wohngruppe „Wem sollen wir denn Zuhören?“. Als hätte er auf die Frage gewartet, entgegnet Sascha Henkel: „Hört einfach in euch hinein und versucht die Stille im ganzen Raum wahrzunehmen“.

Dass ein Orchester, indem es eigentlich um Musik gehen soll, mit Stille beginnt, ist für viele der Teilnehmer neu. Die Erwartung gleich mit dem Musizieren loszulegen und den eigenen Lieblingsmusikern nachzueifern (vornehmlich US-amerikanischen Rappern), muss erstmal hinten angestellt werden.

Eine halbe Stunde später hört es sich dafür ganz anders an. Ein konfus scheinender Stimmenwirrwarr aus Deutsch, Arabisch, Farsi und Englisch erfüllt den Raum. Mit einer kleinen Geste sorgt das einzige Mädchen in der Gruppe dafür, die Lautstärke der einzelnen Stimmen zu variieren. Den Jugendlichen sieht man dabei an, dass Sie sich in der neuen Situation wohl fühlen und die ersten Berührungsängste schon jetzt vergangen sind.

„Unsere Stimme ist das erste Musikinstrument, das wir kennenlernen, viele wissen das bloß noch nicht.“ Mit dem toutlemORKESTRA möchte Sascha Henkel junge Menschen nicht nur zur Musik führen, sondern auch ein Stück weit zu sich selbst. Gerade für die Jugendlichen aus aller Welt, die in den letzten Monaten und Jahren in Wahlwies ankamen, ist diese Auseinandersetzung wichtig. Sich selbst kennenzulernen bleibt eine wichtige Aufgabe, gerade vor dem Hintergrund, dass sich Ihr Umfeld in dieser Zeit so drastisch verändert hat. Für viele Jugendlichen ist Musik ein Teil der Heimat, den sie vermissen. Nicht zuletzt aus diesem Grund soll das toutlemORKESTRA eine Brücke zwischen der traditionellen einheimischen Musik und den Einflüssen der Geflüchteten bilden. Was kann man von einander Lernen, was wirkt auf den ersten Blick fremd, was vertraut?
Acht Jugendliche aus der ganzen Welt haben den Anfang gemacht. Wir freuen uns sie, unterstützt durch Tribute to Bambi, auf Ihrer Reise zu begleiten.