
Rund 200 ehemalige Kinderdorfkinder und Mitarbeiter trafen sich zum Wiedersehen. Ein großes „Hallo" vor dem Festsaal war der Auftakt. Suchend standen die einen, die anderen hatten die vertrauten und doch veränderten Gesichter schon entdeckt. Die Veränderungen seit der Teenagerzeit machen das Wiedererkennen nicht leichter, 30 oder 40 Jahre gehen nicht spurlos vorbei...
„Wenn ich in das Kinderdorf komme, komme ich immer nach Hause, das ist meine Heimat" leuchten die Augen eines Ehemaligen schon bei der Ankunft. Für manchen war es dagegen das erste Heimkommen seit Jahrzehnten. Die Erinnerungen an die Zeit der Trennung von den leiblichen Familien fallen unterschiedlich aus. „Die Zeit war nicht einfach, aber sie gab mir im Rückblick betrachtet viel Stabilität für mein weiteres Leben", äußert sich ein aus Dortmund angereister Ehemaliger. Bei Rundgängen und in Gesprächen machten sich die Gäste ein Bild vom Kinderdorf, wie es heute ist und konstatieren: „Es hat sich viel verändert."
Wer nicht selbst nach Wahlwies kommen konnte, hatte die Möglichkeit über das Internet das Geschehen zu verfolgen. Per Webcam nahmen Ehemalige in ganz Deutschland und sogar in den USA und Australien.
Von dort erreichte uns kürzlich dieser schöne Text:
Für all die schönen Erinnerungen
Wir möchten euch danken für all die schönen Erinnerungen.
Wir verbrachten einige Zeit in der damals genannten Pestalozzi Siedlung Wahlwies.
Wir hatten dort nicht viele irdische Schätze, nicht viele Spielzeuge und raffinierte Kleider.
Wir wurden versorgt so gut es halt ging von Eltern, die nicht unsere eigenen waren,
Wir wurden behandelt als ob wir ihre eigenen wären.
Wir waren meistens sehr schwer zu erziehen und doch froh eine Heimat zu haben.
Wir hatten Freunde und Unterkunft, Essen und Schule, wir sind gewandert und
Wir lernten Berufe, die sehr nützlich sind bis heute.
Wir spielten Fußball, Handball und andere Spiele am Sportsplatz.
Wir besuchten Großvater und Großmutter Fischer in ihrem Häusle
Wir sprachen für Stunden mit Großvater Fischer und lauschten auf seine Märchen
Wir hörten Geschichten und sangen Lieder mit ihm.
Wir waren manchmal noch hungrig, kalt und sehr trotzig.
Wir schwitzten im Keller, schaufelten Schlacke um warmes Wasser und Heizung zu kriegen.
Wir sind nicht zufrieden gewesen damals vor langen Jahren und jedoch:
Wir schauen zurück und sagen, dass es uns gut ging.
Wir feierten Feste und gingen zur Kirche mitten zur Nacht am Heiligen Abend.
Wir zogen die Schlitten mit den jungen Mädchen und Buben zur Mitternachtsmesse.
Wir sprangen durchs Feuer am Anfang vom Frühling,
Wir kletterten rauf auf den Maibaum und manch andere Sachen.
Wir feierten unseren Geburtstag mit fast 200 Mädel und Buben und Eltern
Wir sind nicht gestorben von viel Arbeit, die nötig war.
Wir sagen schön Dank, dass ihr uns geholfen habt, uns zu erziehen und nützliche Menschen aus uns zu machen.
Wir sagen euch: macht weiter so und seid euch sicher, wir sind sehr dankbar dafür. Für immer.
Siggi Houdek